Walstrandungen: Klare Einsatzstrukturen für Wale in Not!

Aktuelle Unterzeichner*innen:
Gabriele Petersen und 19 andere Personen haben kürzlich unterschrieben.

Das Problem

Ein Buckelwal kämpft in der Ostsee ums Überleben. 

Der aktuelle Fall vom gestrandeten Wal „Timmy” – auch „Hope” genannt – zeigt vor allem eines: Deutschland ist auf Walstrandungen nicht ausreichend vorbereitet.

Ich bin Alessandro Schulze, Natur- und Wildtierfotograf und Notfallsanitäter. Als Fotograf erlebe ich, wie faszinierend und zugleich verletzlich Wildtiere sind. Als Notfallsanitäter weiß ich, dass in Notlagen klare Zuständigkeiten und schnelle Entscheidungen Leben retten. Genau das hat hier erschreckend gefehlt.

Die Strandung von Timmy / Hope bewegt viele Menschen. Gleichzeitig wird sichtbar, wie unklar Zuständigkeiten sind und wie sehr eine verbindliche Einsatzstruktur fehlt. Die Petition wurde inzwischen auf ein strukturelles Ziel ausgerichtet: Aus dem Fall Timmy sollen klare Konsequenzen für zukünftige Walstrandungen gezogen werden.

Denn: Walstrandungen sind keine gewöhnlichen Einsätze. Sie sind hochkomplexe Notlagen, in denen Zeit, Fachwissen und Koordination entscheidend sind. Strandung, Schwächung und zusätzlicher Stress machen Rettungen besonders schwierig.

🐳 Deutschland braucht einen Notfallplan für Walstrandungen!

„Das was in den letzten Wochen passiert ist, darf nicht noch einmal passieren.“ 

Es braucht für die Zukunft einen Notfallplan für Walstrandungen mit:

  • Klarer Einsatzleitung durch Non-Profit-Organisationen
  • Schnellen Entscheidungsstrukturen
  • Einbindung nationaler und internationaler Expert*innen
  • Besserer Koordination zwischen Behörden und Organisationen
  • Vorbereitung standardisierter Notfallpläne
  • Aufbau spezialisierter Rettungsteams

Walstrandungen werden auch in Zukunft vorkommen: Durch den Klimawandel können Wale künftig häufiger an der Ostsee stranden. Timmy / Hope kann vielleicht nicht mehr gerettet werden. Aber wir können verhindern, dass wir beim nächsten Mal wieder unvorbereitet sind.

✍️ Bitte unterschreibe und teile diese Petition!

Diese Petition ist ein Appell für einen würdigen, fachlich fundierten Umgang mit Wildtieren in akuten Notlagen. Damit aus Mitgefühl Konsequenzen werden. Damit beim nächsten Mal nicht Chaos entscheidet, sondern Vorbereitung.

-------------------------------------------------

Forderung an den Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Carsten Schneider:

Wir fordern Herrn Carsten Schneider auf, die notwendigen strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, damit Deutschland künftig koordiniert, fachlich fundiert, rechtssicher und zeitnah auf Strandungsereignisse von Meerestieren reagieren kann.

Hierzu gehört insbesondere der Aufbau klar definierter, bundesweit einheitlicher und rechtssicherer Einsatz- und Entscheidungsstrukturen, die eine unabhängige, fachlich qualifizierte Einsatzkoordination gewährleisten und frei von institutionellen oder wirtschaftlichen Interessenkonflikten handeln können.

Der Bund wird aufgefordert, hierfür die erforderlichen rechtlichen und organisatorischen Grundlagen zu schaffen und eine bundesweit verbindliche Einsatzstruktur zu etablieren. Die nachfolgenden Punkte konkretisieren die hierfür notwendigen Maßnahmen.

 


1 Einrichtung einer bundesweiten Einsatzstruktur


1.1 Schaffung einer bundesweit koordinierten Einsatzstruktur für Strandungsereignisse von Meerestieren, die klare Zuständigkeiten und Entscheidungswege definiert.

1.2 Entwicklung und Implementierung standardisierter Einsatzprotokolle (Standard Operating Procedures – SOPs) für den Umgang mit Strandungsereignissen.

1.3 Sicherstellung, dass in akuten Einsatzsituationen zeitnah handlungsfähige Entscheidungsstrukturen bestehen und Kompetenzkonflikte zwischen Behörden vermieden werden.

 


2 Übertragung der operativen Einsatzkoordination an eine unabhängige Fachstruktur


2.1 Übertragung der operativen Einsatzkoordination in Strandungssituationen an eine fachlich qualifizierte, unabhängige Non-Profit-Struktur, die auf den Umgang mit Strandungsereignissen spezialisiert ist.

2.2 Gewährleistung, dass diese Struktur über klare Entscheidungsbefugnisse und definierte Einsatzabläufe verfügt, um in zeitkritischen Situationen handlungsfähig zu sein.

2.3 Sicherstellung der institutionellen Unabhängigkeit dieser Einsatzkoordination von Einrichtungen, die potenziell institutionelle oder wirtschaftliche Interessen an gestrandeten Tieren haben könnten (z. B. Sammlungs- oder Ausstellungsinteressen).

 


3 Aufbau und Schulung spezialisierter Einsatzteams


3.1 Aufbau und Schulung von spezialisierten Einsatzteams für Strandungseinsätze, einschließlich Ausbildung im Umgang mit relevanter technischer Ausrüstung (z. B. Hebekissen, Bergungstechnik, Wasserfahrzeuge).

3.2 Einbindung eines fachübergreifenden Netzwerks aus Veterinärmedizin, Meeresbiologie sowie nationalen und internationalen Strandungsexpertinnen und -experten.

3.3 Sicherstellung einer regelmäßigen Schulung und Übung der Einsatzabläufe, um die Einsatzfähigkeit langfristig zu gewährleisten.

 


4 Einbindung bestehender Einsatz- und Rettungsstrukturen


4.1 Nutzung vorhandener Kompetenzen und Strukturen, insbesondere von Feuerwehren, die über umfangreiche Erfahrung im Bereich der technischen Hilfeleistung und im Umgang mit schwerem Gerät verfügen.

4.2 Einbindung von Seenotrettungsorganisationen, die über maritime Expertise verfügen und beispielsweise Wasserstände, Strömungsverhältnisse sowie nautische Bedingungen einschätzen können.

4.3 Aufbau einer schnell aktivierbaren Einsatzstruktur, die im Bedarfsfall auf vorhandene Kräfte und Ressourcen zurückgreifen kann.

 


5 Kooperation mit regionaler Infrastruktur und Logistikpartnern


5.1 Aufbau eines vorbereiteten Netzwerks mit regionalen Unternehmen, insbesondere Bau- und Infrastrukturunternehmen, die im Bedarfsfall kurzfristig technische Unterstützung oder Maschinen bereitstellen können.

5.2 Frühzeitige Information und Abstimmung mit potenziellen Partnern, um im Einsatzfall zeitnahe Unterstützung sicherzustellen.

5.3 Entwicklung klarer Kommunikations- und Alarmierungsstrukturen für diese Partner.

 


6 Finanzierung und Einsatzlogistik


6.1 Sicherstellung einer finanziellen Absicherung von Einsatzmaßnahmen, einschließlich einer angemessenen Entschädigung für beteiligte Einsatzkräfte, Organisationen und unterstützende Unternehmen.

6.2 Organisation der notwendigen Einsatzlogistik, insbesondere Unterkunft, Verpflegung und Infrastruktur für Einsatzteams während länger andauernder Einsätze.

6.3 Bereitstellung einer initialen öffentlichen Finanzierung zum Aufbau der Struktur, während die koordinierende Organisation langfristig auch durch Spenden unterstützt werden kann.

 


7 Zielsetzung


7.1 Ziel dieser Maßnahmen ist der Aufbau einer fachlich fundierten, unabhängigen und bundesweit koordinierten Einsatzstruktur, die in Strandungssituationen schnell, transparent und wissenschaftlich fundiert handeln kann.

7.2 Hierdurch soll sichergestellt werden, dass zukünftige Strandungsereignisse professionell koordiniert und unter Berücksichtigung des Tierwohls sowie wissenschaftlicher Erkenntnisse bewältigt werden können.

7.3 Bei allen Maßnahmen im Zusammenhang mit Strandungsereignissen ist sicherzustellen, dass das unmittelbare Tierwohl sowie realistische Rettungs- und Befreiungsmöglichkeiten vorrangig berücksichtigt werden. Wissenschaftliche Bewertungen und Untersuchungen können eine wichtige fachliche Grundlage der Entscheidungsfindung darstellen; die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse darf jedoch nicht über dem Schutz des betroffenen Tieres stehen und nicht als vorrangiger Entscheidungsmaßstab herangezogen werden, sofern fachlich vertretbare und tierschutzkonforme Rettungsmaßnahmen möglich sind.

 


8 Wissenschaftlicher Kontext und zukünftige Relevanz


Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und internationale Beobachtungen zeigen, dass Strandungsereignisse von Walen und anderen Meeressäugern in vielen Regionen zunehmen oder sich räumlich verändern.

Studien dokumentieren eine zunehmende Präsenz großer Bartenwale in der Nordsee, einschließlich steigender Sichtungen und Strandungsereignisse von Buckel- und Finnwalen im südlichen Nordseeraum. Diese Entwicklung wird unter anderem mit Veränderungen der marinen Ökosysteme sowie mit veränderten Wanderbewegungen der Tiere in Verbindung gebracht (Berrow & Whooley 2022, Journal of Sea Research:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1385110122000247

Auch im nordeuropäischen Raum zeigen Langzeitdaten deutliche Veränderungen. Untersuchungen des Scottish Marine Animal Stranding Scheme zeigen, dass in Schottland innerhalb von drei Jahrzehnten mehr als 5.000 gestrandete Wale und Delfine dokumentiert wurden, wobei einzelne Arten einen starken Anstieg der Strandungsraten aufweisen. Forschende sehen darin ein mögliches Frühwarnsignal für Veränderungen im marinen Ökosystem (University of Glasgow / SMASS-Studie:
https://e360.yale.edu/digest/scotland-whale-strandings-noise

Langzeitdaten aus internationalen Monitoringprogrammen zeigen zudem, dass Strandungsdaten eine wichtige Grundlage zur Beobachtung ökologischer Veränderungen in marinen Ökosystemen darstellen und Hinweise auf zunehmende Umweltbelastungen oder Verschiebungen von Lebensräumen liefern können (Nature Scientific Reports 2025:
https://www.nature.com/articles/s41598-025-12928-1

Mehrere Faktoren können zu solchen Ereignissen beitragen. Dazu zählen unter anderem:

8.1 Veränderungen von Meeresströmungen und Nahrungsverfügbarkeit durch den Klimawandel, die dazu führen können, dass sich Wander- und Jagdgebiete von Walen verschieben und Tiere häufiger in küstennahe oder flachere Meeresgebiete gelangen (Kovacs et al.:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10367525/

8.2 Zunehmender Schiffsverkehr und Unterwasserlärm, der Orientierung und Kommunikation von Meeressäugern beeinträchtigen kann und mit Strandungsereignissen in Verbindung gebracht wird (Yale Environment Review / SMASS-Analyse:
https://e360.yale.edu/digest/scotland-whale-strandings-noise

8.3 Verlagerung von Wander- und Jagdgebieten, da sich Beuteorganismen infolge veränderter Meeresbedingungen räumlich verschieben können und Wale dadurch neue Lebensräume aufsuchen (Project Jonah climate research:
https://www.projectjonah.org.nz/climate-change-whales/

8.4 Fischereiaktivitäten sowie Verheddern in Fanggeräten, die weltweit zu Verletzungen oder Stresssituationen führen können und damit ebenfalls als mögliche Faktoren bei Strandungsereignissen gelten (Conservation Biology Review:
https://conbio.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/cobi.14302

Steigende Meerestemperaturen und ökologische Veränderungen können zudem dazu führen, dass sich Beuteorganismen räumlich verlagern und Wale dadurch neue oder ungeeignete Meeresgebiete aufsuchen, was das Risiko von Strandungen erhöhen kann (Australian National Maritime Museum:
https://www.sea.museum/ocean-futures/whale-strandings-on-the-rise

Auch aktuelle Ereignisse in der Nord- und Ostsee zeigen, dass solche Situationen nicht nur wissenschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Relevanz besitzen. Strandungen einzelner Großwale führen regelmäßig zu erheblicher öffentlicher Aufmerksamkeit, intensiver Medienberichterstattung und hohen Erwartungen an Behörden und Rettungsstrukturen.

Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass Strandungsereignisse künftig nicht ausgeschlossen werden können und möglicherweise häufiger auftreten, insbesondere in ökologisch sensiblen und flachen Meeresregionen wie der Nord- und Ostsee.

 


9 Appell


Vor diesem Hintergrund liegt es im Interesse des Bundes und der zuständigen Behörden, frühzeitig klare, rechtssichere und fachlich koordinierte Einsatzstrukturen zu etablieren.

Eine bundesweit abgestimmte Vorgehensweise kann dazu beitragen, komplexe Strandungssituationen fachlich angemessen zu bewältigen, unnötige Verzögerungen in Einsatzentscheidungen zu vermeiden und zugleich die öffentliche Erwartungshaltung sowie die mediale Aufmerksamkeit in solchen Fällen verantwortungsvoll zu begleiten.

 

Redaktioneller Hinweis: Das Foto der Petition ist KI generiert.

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Alessandro SchulzePetitionsstarter*inNatur- und Wildtierfotograf und Notfallsanitäter

26.024

Aktuelle Unterzeichner*innen:
Gabriele Petersen und 19 andere Personen haben kürzlich unterschrieben.

Das Problem

Ein Buckelwal kämpft in der Ostsee ums Überleben. 

Der aktuelle Fall vom gestrandeten Wal „Timmy” – auch „Hope” genannt – zeigt vor allem eines: Deutschland ist auf Walstrandungen nicht ausreichend vorbereitet.

Ich bin Alessandro Schulze, Natur- und Wildtierfotograf und Notfallsanitäter. Als Fotograf erlebe ich, wie faszinierend und zugleich verletzlich Wildtiere sind. Als Notfallsanitäter weiß ich, dass in Notlagen klare Zuständigkeiten und schnelle Entscheidungen Leben retten. Genau das hat hier erschreckend gefehlt.

Die Strandung von Timmy / Hope bewegt viele Menschen. Gleichzeitig wird sichtbar, wie unklar Zuständigkeiten sind und wie sehr eine verbindliche Einsatzstruktur fehlt. Die Petition wurde inzwischen auf ein strukturelles Ziel ausgerichtet: Aus dem Fall Timmy sollen klare Konsequenzen für zukünftige Walstrandungen gezogen werden.

Denn: Walstrandungen sind keine gewöhnlichen Einsätze. Sie sind hochkomplexe Notlagen, in denen Zeit, Fachwissen und Koordination entscheidend sind. Strandung, Schwächung und zusätzlicher Stress machen Rettungen besonders schwierig.

🐳 Deutschland braucht einen Notfallplan für Walstrandungen!

„Das was in den letzten Wochen passiert ist, darf nicht noch einmal passieren.“ 

Es braucht für die Zukunft einen Notfallplan für Walstrandungen mit:

  • Klarer Einsatzleitung durch Non-Profit-Organisationen
  • Schnellen Entscheidungsstrukturen
  • Einbindung nationaler und internationaler Expert*innen
  • Besserer Koordination zwischen Behörden und Organisationen
  • Vorbereitung standardisierter Notfallpläne
  • Aufbau spezialisierter Rettungsteams

Walstrandungen werden auch in Zukunft vorkommen: Durch den Klimawandel können Wale künftig häufiger an der Ostsee stranden. Timmy / Hope kann vielleicht nicht mehr gerettet werden. Aber wir können verhindern, dass wir beim nächsten Mal wieder unvorbereitet sind.

✍️ Bitte unterschreibe und teile diese Petition!

Diese Petition ist ein Appell für einen würdigen, fachlich fundierten Umgang mit Wildtieren in akuten Notlagen. Damit aus Mitgefühl Konsequenzen werden. Damit beim nächsten Mal nicht Chaos entscheidet, sondern Vorbereitung.

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Forderung an den Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Carsten Schneider:

Wir fordern Herrn Carsten Schneider auf, die notwendigen strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, damit Deutschland künftig koordiniert, fachlich fundiert, rechtssicher und zeitnah auf Strandungsereignisse von Meerestieren reagieren kann.

Hierzu gehört insbesondere der Aufbau klar definierter, bundesweit einheitlicher und rechtssicherer Einsatz- und Entscheidungsstrukturen, die eine unabhängige, fachlich qualifizierte Einsatzkoordination gewährleisten und frei von institutionellen oder wirtschaftlichen Interessenkonflikten handeln können.

Der Bund wird aufgefordert, hierfür die erforderlichen rechtlichen und organisatorischen Grundlagen zu schaffen und eine bundesweit verbindliche Einsatzstruktur zu etablieren. Die nachfolgenden Punkte konkretisieren die hierfür notwendigen Maßnahmen.

 


1 Einrichtung einer bundesweiten Einsatzstruktur


1.1 Schaffung einer bundesweit koordinierten Einsatzstruktur für Strandungsereignisse von Meerestieren, die klare Zuständigkeiten und Entscheidungswege definiert.

1.2 Entwicklung und Implementierung standardisierter Einsatzprotokolle (Standard Operating Procedures – SOPs) für den Umgang mit Strandungsereignissen.

1.3 Sicherstellung, dass in akuten Einsatzsituationen zeitnah handlungsfähige Entscheidungsstrukturen bestehen und Kompetenzkonflikte zwischen Behörden vermieden werden.

 


2 Übertragung der operativen Einsatzkoordination an eine unabhängige Fachstruktur


2.1 Übertragung der operativen Einsatzkoordination in Strandungssituationen an eine fachlich qualifizierte, unabhängige Non-Profit-Struktur, die auf den Umgang mit Strandungsereignissen spezialisiert ist.

2.2 Gewährleistung, dass diese Struktur über klare Entscheidungsbefugnisse und definierte Einsatzabläufe verfügt, um in zeitkritischen Situationen handlungsfähig zu sein.

2.3 Sicherstellung der institutionellen Unabhängigkeit dieser Einsatzkoordination von Einrichtungen, die potenziell institutionelle oder wirtschaftliche Interessen an gestrandeten Tieren haben könnten (z. B. Sammlungs- oder Ausstellungsinteressen).

 


3 Aufbau und Schulung spezialisierter Einsatzteams


3.1 Aufbau und Schulung von spezialisierten Einsatzteams für Strandungseinsätze, einschließlich Ausbildung im Umgang mit relevanter technischer Ausrüstung (z. B. Hebekissen, Bergungstechnik, Wasserfahrzeuge).

3.2 Einbindung eines fachübergreifenden Netzwerks aus Veterinärmedizin, Meeresbiologie sowie nationalen und internationalen Strandungsexpertinnen und -experten.

3.3 Sicherstellung einer regelmäßigen Schulung und Übung der Einsatzabläufe, um die Einsatzfähigkeit langfristig zu gewährleisten.

 


4 Einbindung bestehender Einsatz- und Rettungsstrukturen


4.1 Nutzung vorhandener Kompetenzen und Strukturen, insbesondere von Feuerwehren, die über umfangreiche Erfahrung im Bereich der technischen Hilfeleistung und im Umgang mit schwerem Gerät verfügen.

4.2 Einbindung von Seenotrettungsorganisationen, die über maritime Expertise verfügen und beispielsweise Wasserstände, Strömungsverhältnisse sowie nautische Bedingungen einschätzen können.

4.3 Aufbau einer schnell aktivierbaren Einsatzstruktur, die im Bedarfsfall auf vorhandene Kräfte und Ressourcen zurückgreifen kann.

 


5 Kooperation mit regionaler Infrastruktur und Logistikpartnern


5.1 Aufbau eines vorbereiteten Netzwerks mit regionalen Unternehmen, insbesondere Bau- und Infrastrukturunternehmen, die im Bedarfsfall kurzfristig technische Unterstützung oder Maschinen bereitstellen können.

5.2 Frühzeitige Information und Abstimmung mit potenziellen Partnern, um im Einsatzfall zeitnahe Unterstützung sicherzustellen.

5.3 Entwicklung klarer Kommunikations- und Alarmierungsstrukturen für diese Partner.

 


6 Finanzierung und Einsatzlogistik


6.1 Sicherstellung einer finanziellen Absicherung von Einsatzmaßnahmen, einschließlich einer angemessenen Entschädigung für beteiligte Einsatzkräfte, Organisationen und unterstützende Unternehmen.

6.2 Organisation der notwendigen Einsatzlogistik, insbesondere Unterkunft, Verpflegung und Infrastruktur für Einsatzteams während länger andauernder Einsätze.

6.3 Bereitstellung einer initialen öffentlichen Finanzierung zum Aufbau der Struktur, während die koordinierende Organisation langfristig auch durch Spenden unterstützt werden kann.

 


7 Zielsetzung


7.1 Ziel dieser Maßnahmen ist der Aufbau einer fachlich fundierten, unabhängigen und bundesweit koordinierten Einsatzstruktur, die in Strandungssituationen schnell, transparent und wissenschaftlich fundiert handeln kann.

7.2 Hierdurch soll sichergestellt werden, dass zukünftige Strandungsereignisse professionell koordiniert und unter Berücksichtigung des Tierwohls sowie wissenschaftlicher Erkenntnisse bewältigt werden können.

7.3 Bei allen Maßnahmen im Zusammenhang mit Strandungsereignissen ist sicherzustellen, dass das unmittelbare Tierwohl sowie realistische Rettungs- und Befreiungsmöglichkeiten vorrangig berücksichtigt werden. Wissenschaftliche Bewertungen und Untersuchungen können eine wichtige fachliche Grundlage der Entscheidungsfindung darstellen; die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse darf jedoch nicht über dem Schutz des betroffenen Tieres stehen und nicht als vorrangiger Entscheidungsmaßstab herangezogen werden, sofern fachlich vertretbare und tierschutzkonforme Rettungsmaßnahmen möglich sind.

 


8 Wissenschaftlicher Kontext und zukünftige Relevanz


Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und internationale Beobachtungen zeigen, dass Strandungsereignisse von Walen und anderen Meeressäugern in vielen Regionen zunehmen oder sich räumlich verändern.

Studien dokumentieren eine zunehmende Präsenz großer Bartenwale in der Nordsee, einschließlich steigender Sichtungen und Strandungsereignisse von Buckel- und Finnwalen im südlichen Nordseeraum. Diese Entwicklung wird unter anderem mit Veränderungen der marinen Ökosysteme sowie mit veränderten Wanderbewegungen der Tiere in Verbindung gebracht (Berrow & Whooley 2022, Journal of Sea Research:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1385110122000247

Auch im nordeuropäischen Raum zeigen Langzeitdaten deutliche Veränderungen. Untersuchungen des Scottish Marine Animal Stranding Scheme zeigen, dass in Schottland innerhalb von drei Jahrzehnten mehr als 5.000 gestrandete Wale und Delfine dokumentiert wurden, wobei einzelne Arten einen starken Anstieg der Strandungsraten aufweisen. Forschende sehen darin ein mögliches Frühwarnsignal für Veränderungen im marinen Ökosystem (University of Glasgow / SMASS-Studie:
https://e360.yale.edu/digest/scotland-whale-strandings-noise

Langzeitdaten aus internationalen Monitoringprogrammen zeigen zudem, dass Strandungsdaten eine wichtige Grundlage zur Beobachtung ökologischer Veränderungen in marinen Ökosystemen darstellen und Hinweise auf zunehmende Umweltbelastungen oder Verschiebungen von Lebensräumen liefern können (Nature Scientific Reports 2025:
https://www.nature.com/articles/s41598-025-12928-1

Mehrere Faktoren können zu solchen Ereignissen beitragen. Dazu zählen unter anderem:

8.1 Veränderungen von Meeresströmungen und Nahrungsverfügbarkeit durch den Klimawandel, die dazu führen können, dass sich Wander- und Jagdgebiete von Walen verschieben und Tiere häufiger in küstennahe oder flachere Meeresgebiete gelangen (Kovacs et al.:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10367525/

8.2 Zunehmender Schiffsverkehr und Unterwasserlärm, der Orientierung und Kommunikation von Meeressäugern beeinträchtigen kann und mit Strandungsereignissen in Verbindung gebracht wird (Yale Environment Review / SMASS-Analyse:
https://e360.yale.edu/digest/scotland-whale-strandings-noise

8.3 Verlagerung von Wander- und Jagdgebieten, da sich Beuteorganismen infolge veränderter Meeresbedingungen räumlich verschieben können und Wale dadurch neue Lebensräume aufsuchen (Project Jonah climate research:
https://www.projectjonah.org.nz/climate-change-whales/

8.4 Fischereiaktivitäten sowie Verheddern in Fanggeräten, die weltweit zu Verletzungen oder Stresssituationen führen können und damit ebenfalls als mögliche Faktoren bei Strandungsereignissen gelten (Conservation Biology Review:
https://conbio.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/cobi.14302

Steigende Meerestemperaturen und ökologische Veränderungen können zudem dazu führen, dass sich Beuteorganismen räumlich verlagern und Wale dadurch neue oder ungeeignete Meeresgebiete aufsuchen, was das Risiko von Strandungen erhöhen kann (Australian National Maritime Museum:
https://www.sea.museum/ocean-futures/whale-strandings-on-the-rise

Auch aktuelle Ereignisse in der Nord- und Ostsee zeigen, dass solche Situationen nicht nur wissenschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Relevanz besitzen. Strandungen einzelner Großwale führen regelmäßig zu erheblicher öffentlicher Aufmerksamkeit, intensiver Medienberichterstattung und hohen Erwartungen an Behörden und Rettungsstrukturen.

Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass Strandungsereignisse künftig nicht ausgeschlossen werden können und möglicherweise häufiger auftreten, insbesondere in ökologisch sensiblen und flachen Meeresregionen wie der Nord- und Ostsee.

 


9 Appell


Vor diesem Hintergrund liegt es im Interesse des Bundes und der zuständigen Behörden, frühzeitig klare, rechtssichere und fachlich koordinierte Einsatzstrukturen zu etablieren.

Eine bundesweit abgestimmte Vorgehensweise kann dazu beitragen, komplexe Strandungssituationen fachlich angemessen zu bewältigen, unnötige Verzögerungen in Einsatzentscheidungen zu vermeiden und zugleich die öffentliche Erwartungshaltung sowie die mediale Aufmerksamkeit in solchen Fällen verantwortungsvoll zu begleiten.

 

Redaktioneller Hinweis: Das Foto der Petition ist KI generiert.

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Alessandro SchulzePetitionsstarter*inNatur- und Wildtierfotograf und Notfallsanitäter

Die Entscheidungsträger*innen

Sabine Riewenherm
Sabine Riewenherm
Präsidentin des Bundesamt für Naturschutz

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Petition am 31. März 2026 erstellt